Flash Fiction

Rockabilly Space Opera Romance im Häppchenformat - zum Eintauchen und Wohlfühlen, für eine kleine Pause zwischen durch. Neues Lesefutter gibt es circa alle zwei Wochen.

Diana von Oertzen Diana von Oertzen

Sommerfest

Im Garten des Mercator Hotels hingen Lichterketten in den alten Bäumen, von der Terrasse wehten die Klänge der Band und das Gelächter der Gäste herüber, und über allem spannte sich ein tintenblauer Nachthimmel, gekrönt von einem buttergelbem Vollmond. Adelie fühlte sich, als wäre sie durch ein Portal getreten und zurück im heimatlichen Greenvale Park. Sie hatte eine etwas versteckte steinerne Bank unter einem üppigen Rosenbusch gefunden. Die türkisblaue Seide des bodenlangen Abendkleides raschelte leise als sie sich bequemer hinsetze. Am liebsten würde sie ihre farblich passenden Pumps abstreifen, aber das wäre im höchsten Maße unstandesgemäß für eine Baroness auf einer öffentlichen Veranstaltung. […]

Im Garten des Mercator Hotels hingen Lichterketten in den alten Bäumen, von der Terrasse wehten die Klänge der Band und das Gelächter der Gäste herüber, und über allem spannte sich ein tintenblauer Nachthimmel, gekrönt von einem buttergelbem Vollmond. Adelie fühlte sich, als wäre sie durch ein Portal getreten und zurück im heimatlichen Greenvale Park. Sie hatte eine etwas versteckte steinerne Bank unter einem üppigen Rosenbusch gefunden. Die türkisblaue Seide des bodenlangen Abendkleides raschelte leise als sie sich bequemer hinsetze. Am liebsten würde sie ihre farblich passenden Pumps abstreifen, aber das wäre im höchsten Maße unstandesgemäß für eine Baroness auf einer öffentlichen Veranstaltung.

„Ah, hier hast du dich versteckt.“ Nate kam lässig den Weg herauf, beide Hände voll mit ihren Drinks. „Du hast schon ein Talent, immer die schönsten Eckchen zu finden. Ich musste gerade nach Henry Ausschau halten um dich zu lokalisieren.“ Er reichte ihr eines der Gläser, in den Eiswürfel in einer orange-roten Flüssigkeit klackten.

„Danke dir. Will ich wissen was das ist?“

Er lachte. „Sie nennen es Sunset Sipper, und wenn ich mich nicht verguckt habe, ist Bourbon, Campari, Wermut und Orangensaft drin. Schmeckt verdammt gut.“

Sie nippte am Glas während er sich neben sie setzte. Tatsächlich schmeckte der Longdrink exzellent - die holzige, warme Basis des Bourbon passte wunderbar zusammen mit dem bitteren Campari und der Süße des Wermut. Der Orangensaft fügte dem ganzen noch eine erfrischende Zitrus-Note hinzu. „Stimmt, das ist wirklich sehr lecker.“

Eine Weile saßen sie schweigend auf der Bank, und lauschten den Tönen der Party. Schließlich zog Adelie ihre Beine wieder an und stellte das Glas neben sich. „Die Academy Rugby Association hat sich nicht lumpen lassen was den Veranstaltungsort angeht. Ich fühle mich fast wie daheim.“

Nate lachte. „Ich hoffe, das ist ein gutes Gefühl.“

Sie kicherte. „Ja, denn hier kontrolliert niemand, ob ich mich auch ans Protokoll halte.“

„Du siehst wundervoll aus in diesem Kleid. Es steht dir ausgezeichnet.“

Sie lehnte sich leicht an ihn. „Danke dir. Ich hatte nach etwas in meinem Fundus gesucht, dass zu euren Team Anzügen passt.“

Er schlang einen Arm um ihre Taille und küsste ihre nackte Schulter liebevoll. „So ganz kannst du die Baroness dann doch nicht sein lassen, oder? Immer ein perfekt orchestrierter Auftritt, egal welcher Anlass. Dafür dass du es eigentlich nicht leiden kannst.“

Sie zuckte mit den Schultern und kickte einen Kiesel in die Wiese. „Es ist ein Unterschied ob man die Freiheit hat, selber zu entscheiden, oder ob es verlangte Pflicht ist. Ich putze mich gerne für dich heraus, aber ich tue es weil ich es will, nicht weil ich muss.“

Die Drinks waren leer, und Hand in Hand machten sie sich auf den Weg zurück zur Party. Seine Bemerkung hatte sie nachdenklich gemacht - es stimmte, eigentlich hatte sie jegliche Lust daran verloren, sich zurecht zu machen und im großen Staat aufzulaufen. Aber daheim in Eden hatte sie keinen Partner wie Nate gehabt, der sie jedes Mal mit großen Augen ansah, und ihre Bemühen offensichtlich würdigte. Für ihn schmiss sie sich gerne in Schale.

Sie hatten gerade wieder die Terrasse erreicht, als die Spieler der Auswahlmannschaft auf die kleine Bühne gebeten wurden, die an einer Seite aufgebaut war. Es war ein schöner Anblick, wie sie so da standen, ordentlich aufgereiht, in dunklen Hosen, weißen Hemden, einem dunkelblauen Jacket und goldgelben Krawatten - die Teamfarben der Westerhaven Wolves, und aktuell die Mannschaft, die sich nach 20 Jahren wieder mit dem Meistertitel belohnt hatte. Der Anlass für den Abend. Adelie platzte fast vor Stolz, als sie Nate und Jake dort stehen sah, zwei Spieler deren Leistung einen nicht unerheblichen Anteil am Gewinn der Meisterschaft hatte. Es wurde einige Auszeichnungen vergeben, und schließlich die allerwichtigste: Wertvollster Spieler der Saison. Adelie hielt den Atem an und konnte dann gerade noch einen spitzen Freudenschrei unterdrücken, als Nate gebeten wurde, vorzutreten und die Auszeichnung in Form eines kleinen, goldenen Rugbyballs anzunehmen. Ihr standen vor lauter Rührung Tränen in den Augen, so stolz war sie auf ihn.

Schließlich war auch dieser Teil des Rahmenprogramms vorbei, und die Spieler durften sich wieder unter die Gäste mischen. Nate kam auf sie zu, die Trophäe im der Hand und ein breites Grinsen im Gesicht. Von links und von rechts klopften ihm Leute anerkennend auf die Schulter, und es dauerte einen Moment bis er sie schließlich erreicht hatte.

„Herzlichen Glückwunsch, mein Schatz!“ Adelie schlang ihre Arme um ihn und küsste ihn leidenschaftlicher als sie es sonst in der Öffentlichkeit tat. Außergewöhnliche Ereignisse verlangten außergewöhnliche Anerkennung, und Nate war wie immer nicht abgeneigt, mitzumachen. Er hielt sie so fest im Arm, dass sie sich fragte, ob er nicht leicht überwältigt war von allem. Schließlich brauchten sie doch Luft, aber ihre Umgebung war immer noch weit weg. Lächelnd wischte sie ihm die Spuren ihres Lippenstiftes von den vollen Lippen, während er sie mit leicht verschleierten Augen ansah. „Wow. Wenn das die Belohnung ist, dann werde ich mich nächste Saison noch mehr reinhängen.“

Sie kicherte.

Er grinste. „Babe, du musst neue Farbe auflegen. Du siehst dezent geküsst aus.“

Das war nach so einer Aktion zu erwarten gewesen, und wie der Spiegel in der Toilette offenbarte, hatte Nate tatsächlich ganze Arbeit geleistet. Der Raum war ganz in schwarzem Marmor und goldenen Applikationen gehalten und präsentierte an jeder möglichen und unmöglichen Stelle einen Spiegel. Von der Decke hing ein üppiger Kristallleuchter, der den Raum in warmes Licht tauchte. Während sie ihr Make-up auffrischte, fragte sich Adelie, ob sie jemals so etwas überbordend geschmackloses gesehen hatte. Sie zog ein letztes Mal den kirschroten Lippenstift nach, verstaute ihn in ihrer kristallbesetzten Minaudière, die auf dem Schminktisch lag und erhob sich von dem samtbezogenen Stuhl. Die übermäßig vorhandenen Spiegel im Raum ermöglichten eine Front- und Rückansicht, und sie ünerprüfte ihre Erscheinung. Die schwere Seide changierte in türkis und grün, je nachdem wie das Licht fiel, und ließ sie aussehen als würde ein Ozean sie umarmen. Das schulterfreie Kleid betonte jede Kurve schmeichelhaft ohne zu viel Rückschlüsse auf das zu geben, was sich darunter versteckte, genau richtig für eine Baroness. Der bodenlange, schmale Rock mit leichter Schleppe raschelte leise als sie der Tür zustrebte um den Ort maßlosen Kitsches zu verlassen. Sie fand Nate zusammen mit Jake neben der Bar, wo sie eine weitere Runde Sunset Sippers bestellt hatten.

„Fräulein Staffelkapitän, ich muss sagen, Sie stellen mal wieder den Rest der anwesenden Weiblichkeit in den Schatten.“ Jake verneigte sich ehrerbietig und mit einem Zwinkern vor ihr.

„Lass die Schmeicheleien, Jake.“ Sie knuffte ihn.

„Nein, ich meine das Ernst. Dieses Kleid - mir fehlen die Worte, es überhaupt zu beschreiben? So etwas hat Meadow Junction sicher noch nicht gesehen.“

„Es ist eine Kreation von Helena St. Cyr, und ursprünglich habe ich es zur Feier anlässlich des 50. Geburtstags meines Onkels getragen. Damals hat noch ein Diamanten-Collier von Beaumont das Outfit komplettiert, aber das ist leider sicher in Greenvales Schatzkammer.“

Die beiden Männer blickten sie verständnislos an.

Sie lachte, und schüttelte den Kopf in gespielter Verzweiflung. „Männer und Mode, ein hoffnungsloser Fall. Helena St. Cyr ist eine der begehrtesten Modedesignerinnen in Eden, und Beaumont ein Juwelier, der bevorzugt die High Society schmückt.”

Nate zog sie an sich. „Mir ist völlig egal, wer das Geschenkpapier entworfen hat, aus dem ich dich später auspacken darf.“

Sie lehnte sich an ihn und blickte ihn schelmisch über den Rand ihres Cocktailglases an. „Au contraire, mein Lieber - du hast wiederholt eine Präferenz für Geschenkpapier aus Helenas Atelier gezeigt.“

Jake lachte schallend. „Frauen - ihnen entgeht nichts.“

Nate drückte sie. „Natürlich entgeht ihr nichts, sie ist schließlich Adelie. Alles andere hätte mich jetzt auch gewundert. Und ich lasse mich gern von ihr verzaubern.“

Jake klopfte ihm freundschaftlich auf die Schulter und nickte Adelie mit einem Zwinkern zu. „Dann lass ich euch mal besser weiter die Zweisamkeit genießen.“

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Diana von Oertzen Diana von Oertzen

Leibwachen

Henry lehnte am Stamm der alten Platane und ließ den Blick prüfend die Straße hinunter schweifen. Nichts Auffälliges zu bemerken, alles in Meadow Junction ging wie immer seinen gewohnten Gang. Alte Damen mit festbetonierten grauen Locken führten auf dem Gehweg ihre Pudel spazieren. Kleine Kinder fuhren Tretroller zwischen den Passanten, selbige als Slalomstangen missbrauchend. Grüppchen von jungen Nurses liefen Arm in Arm von Geschäft zu Geschäft, und auf der Fahrbahn des Graham Boulevards rollten einige wenige auf Hochglanz polierte Limousinen. […]

Henry lehnte am Stamm der alten Platane und ließ den Blick prüfend die Straße hinunter schweifen. Nichts Auffälliges zu bemerken, alles in Meadow Junction ging wie immer seinen gewohnten Gang. Alte Damen mit festbetonierten grauen Locken führten auf dem Gehweg ihre Pudel spazieren. Kleine Kinder fuhren Tretroller zwischen den Passanten, selbige als Slalomstangen missbrauchend. Grüppchen von jungen Nurses liefen Arm in Arm von Geschäft zu Geschäft, und auf der Fahrbahn des Graham Boulevards rollten einige wenige auf Hochglanz polierte Limousinen. Es war ein ruhiger Tag. Er mochte die Kleinstadt, nicht nur, weil sie es einfach machte, auf die Baroness aufzupassen. Adelie und Ophelia hatten gerade das Artist‘s Nest betreten, den kleinen Künstler-Laden den die Baroness so liebte.

„Wie viele Pinsel kann man ausprobieren?“ Salvatore hatte das Los gezogen  mit in den Laden zu müssen, und schien davon nur mäßig begeistert zu sein, wie der Ton seiner Stimme in Henrys Ohrstück verriet.

„Erfahrungsgemäß verbringt Delfin circa 20 Minuten damit, Pinsel auszuprobieren, das solltest du mittlerweile wissen. Und wenn Kolibri dabei ist, verlängert sich das Prozedere um circa 10 Minuten, bis sie dann zu den Wasserfarben wechseln. Sie haben haben den Laden vor 5 Minuten betreten, du übst dich also besser in Geduld.“

Salvatore sagte daraufhin nichts mehr, und Henry grinste vor sich hin. Er hatte diesmal eindeutig den besseren Posten bezogen, und konnte vor dem Laden Leute beobachten, während er die Tür im Auge behielt. Er mochte den Job, das jüngste Fräulein Klaiber zu bewachen. Meadow Junction und die Westerhaven Akademie verlangten keine schwarzen Anzüge und Kravatten, sondern meistens legere Jeans und T-Shirt, oder so wie heute, dunkle Slacks und ein Hemd. Die meiste Zeit befanden sich durchtrainierte Kadetten um Adelie herum, die es etwaigen Aggressoren schwer machen würden. Und dann gab es da noch Nathan Havisham, Codename Schwan, der niemanden an Adelie heranließ der auch nur ansatzweise so aussah als könnte seine Angebetete Schaden erleiden. Es war ein running gag unter den Sicherheitsleuten, dass sie seit dem ersten Kuss zwischen den beiden nur noch Teilzeitkräfte waren.

„Delfin hat den Plan geändert,“ Salvatores Stimme ertönte wieder in seinem Ohr. „Beziehungsweise, Schneeeule hat angerufen, und das hat den Plan geändert. Sie treffen sich in 10 Minuten im Café Schmitt.“

Henry seufzte. Adelies deutlich spontaneres Leben im Vergleich zu ihrer Rennkarriere oder ihren Pflichten daheim in Eden bedeutete, dass man sich schnell auf neue Gegebenheiten einstellen musste. „Verstanden. Ich gehe schonmal vor und sichere einen Tisch.“

Er liebte den Job als Adelies Leibwächster auch, weil Adelie sich immer an die Spielregeln hielt. So betrat sie als erste die Terrasse, gefolgt von ihren beiden Freundinnen, entdeckte ihn und nickte ihm zu, und setzte sich dann so, dass er sie gut im Blick hatte. Leslie, die Schneeeule, sah etwas mitgenommen aus, und Ophelia und Adelie kümmerten sich rührend um sie. Salvatore hatte hinter den Damen die Terrasse betreten, und setze sich nun zu ihm.

„Was ist passiert?“ wollte Henry wissen. Bevor Salvatore antworten konnte, erschien die Bedienung, und stellte eine Karaffe Wasser, 2 Espressi sowie eine Platte mit belegten Broten hin. Fräulein Klaiber hatte sich wie immer nicht lumpen lassen, eine weitere Sache, die Henry sehr an ihr schätzte.

Salvatore nahm einen großen Schluck Wasser, bevor er antwortete. „Frag mich etwas einfacheres. Das Instacom klingelte, Delfin machte ein ernstes Gesicht, sagte „Wir kommen.“ und hat Kolibri Richtung Kasse gelotst. Aber du kennst die Schneeeule, sie hat nicht den einfachsten Job. Vielleicht war ihr Vorgesetzter wieder ein Ekel.“

Henry nickte, und beschäftigte sich mit einem der üppig belegten Brote, während er ein wachsame Auge auf die hübsche Baroness hatte. Nicht, dass Adelie Klaiber hier in diesem entlegenen Winkel der Galaxis in ernster Gefahr schwebte. In Meadow Junction wusste niemand wer sie war, und Paparazzi, die sie auf Schritt und Tritt verfolgten, gab es auch keine. Doch das Protokoll und ihr beträchtliches Vermögen verlangten ein gewisses Maß an Schutz, und so folgten ihr immer mindestens 2 Leibwächter wenn sie unterwegs war.

„Du machst diesen Job schon lange, nicht wahr?“, fragte Salvatore unvermittelt.

„Delfin hat mich vor etwa 7 Jahren ausgewählt um sie auf ihre Rallye Rennen zu begleiten, ja. Und wir haben uns sofort gut verstanden, sie besteht deswegen darauf, dass ich wenn immer möglich in ihrer Nähe bin. Genauso wie ihr alle anderen auch persönlich von ihr ausgewählt seid. Sie ist sehr eigen wenn es darum geht, wen sie in ihr Team aufnimmt. Frag Logan, der kann dir ein Leid davon klagen, wenn es darum geht, frische Gesichter aus Eden hier her zu holen.“

Salvatore machte große Augen. „Sie wählt aus?“

Henry lachte. „Oh ja. Lässt sich von Logan alle Dossiers geben, und entscheidet dann, wer die nächsten 6 Monate mein Sidekick sein darf. Sie weiß alles über dich, sogar deine Unterhosengröße.“

Der jüngere Mann erbleichte etwas. „Ich hatte keine Ahnung, ich habe mich nur beworben, weil es mal was anderes war als den Rest der Familie zu irgendwelchen Benefizgalas zu begleiten.“

Henry nickte versonnen. „Ja, ihre Verwandtschaft ist etwas langweilig im Vergleich zu ihr. Delfin zu bewachen hieß und heißt immer noch sehr viel Action. Und spontan muss man auch sein, kein Tag ist wie der andere. Struktur gibt nur ihr Stundenplan vor, und manchmal habe ich den Eindruck, sie genießt es, dass sie Logan etwas damit triezen kann. Er ist ihr Sicherheitschef seit dem sie 6 Jahre alt ist - die beiden haben eine spannende Ersatzvater-Wahltochter-Dynamik.“

Salvatore blickte nachdenklich zu dem Tisch der drei Damen hinüber. „Das hätte ich ihr alles gar nicht zugetraut. Ich wusste nur, dass sie die wildere Version ihrer Schwester ist. Das hörte sich aufregend genug an, um an die andere Seite der Galaxis zu reisen.“

Sie hatten die Brote aufgegessen, und die Karaffe gelehrt, als Nathan Havisham die Terrasse betrat, und sich zu seiner Freundin und ihrer Begleitung wandte. Die Damen begrüßten ihn, Adelie natürlich etwas zärtlicher als die anderen. Henry war gespannt, was sein Auftauchen bedeutete, ob er sich hinsetzen würde, oder ob der ursprüngliche Plan, nach Wild Sage Acres zu fahren, noch Bestand hatte. Nate setzte sich nicht hin, aber Adelie stand auf und verabschiedete sich mit Küsschen von ihren Freundinnen. Wild Sage Acres, wir kommen, dachte Henry.

Sie folgten dem Paar mit einem gewissen Abstand, weit genug um nicht mehr zu verstehen, was sie sagten, aber nah genug um schnell eingreifen zu können, sollte Adelie Hilfe benötigen. Sie hatte ihren Arm um Nates Taille geschlungen, und er seinen um ihre Schultern gelegt. Henry mochte Nate, nicht nur, weil er groß und kräftig war, sondern auch, weil er sehen konnte, wie sich die Baroness in seiner Anwesenheit entspannte. Es war, als würden Schichten von ihr abblättern, und es erfreute ihn zutiefst, sie so glücklich zu sehen. Kein Vergleich mehr zu der verunsicherten, unglücklichen jungen Frau, die Hals über Kopf Eden verlassen hatte, weil ein Idiot geglaubt hatte, via Hochzeit einfach an ihr Geld zu kommen. Es hatte Henry geschmerzt, sie so zu sehen, als wäre jeder Funke Leben in ihr erloschen. Bis die Zusage von Westerhaven kam, dass sie in die Akademie aufgenommen worden war, hatte sie Greenvale Park nur verlassen, um ihren Bruder im Krankenhaus zu besuchen. Dieser schwesterlichen Pflicht kam sie täglich nach, aber danach fiel sie wieder zusammen und saß blass und schweigend im Fond der Limousine. Es war gräßlich mit anzusehen. Erst mit der Akademie kam wieder Farbe in ihr Gesicht, und mit Nate offensichtlich auch ein Partner der ihr die Liebe und Stabilität gab, die sie brauchte.

Über seinen Gedanken hatte das Paar Adelies Sportwagen erreicht. Adelie stoppte und drehte sich suchend um, bis sie Henry entdeckte und ihn zu sich heranwinkte. Salvatore folgte respektvoll drei Schritte dahinter.

„Henry.“

„Fräulein Klaiber, was kann ich für Sie tun?“

Sie lächelte ihr feines Baronessen-Lächeln. „Wir fahren jetzt zur Farm und ich werde das ganze Wochenende dort bleiben. Sie können ihre Kollegen in Residential Security darüber informieren und dann Feierabend machen.“

Henry nickte. „Dann Montag wie immer?“

„Montag, wie immer.“

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Diana von Oertzen Diana von Oertzen

Scones und Erdbeeren

Eine leichte Brise raschelte durch die Blätter der Apfelbäume im Obstgarten. Weiße Watte-Wolken segelten über einen tiefblauen Himmel. In Richtung des Gemüsegartens standen die Sonnenblumen Spalier, ihre Köpfchen im Wind nickend. Der süße Duft von Erdbeeren hing in der Luft. Adelie drückte sich fester an Nates breite Brust, und genoss den stillen Moment. Es war Samstagnachmittag, und das einzige auf ihrer Agenda war, eben diesen zu verbummeln, nachdem sie den ganzen Vormittag fleißig über ihren Büchern gesessen hatten. Nate schubste mit dem Fuß die Hängematte wieder an, die zwischen den alten Apfelbäumen aufgespannt war. Langsam schwingend schaukelten sie. Er kraulte im gleichen Tempo ihren Nacken. Die ganze Hektik der vergangenen Woche tropfte von ihrer Seele, mit jedem Vorwärts und Rückwärts der Hängematte ein bisschen mehr. […]

Eine leichte Brise raschelte durch die Blätter der Apfelbäume im Obstgarten. Weiße Watte-Wolken segelten über einen tiefblauen Himmel. In Richtung des Gemüsegartens standen die Sonnenblumen Spalier, ihre Köpfchen im Wind nickend. Der süße Duft von Erdbeeren hing in der Luft. Adelie drückte sich fester an Nates breite Brust, und genoss den stillen Moment. Es war Samstagnachmittag, und das einzige auf ihrer Agenda war, eben diesen zu verbummeln, nachdem sie den ganzen Vormittag fleißig über ihren Büchern gesessen hatten. Nate schubste mit dem Fuß die Hängematte wieder an, die zwischen den alten Apfelbäumen aufgespannt war. Langsam schwingend schaukelten sie. Er kraulte im gleichen Tempo ihren Nacken. Die ganze Hektik der vergangenen Woche tropfte von ihrer Seele, mit jedem Vorwärts und Rückwärts der Hängematte ein bisschen mehr.

„Danke,“ murmelte sie in den Stoff seines weichen T-shirts.

„Gerne, aber wofür?“, fragte Nate, und zog sie fester an sich.

„Oh, für alles, aber gerade besonders für deine Idee mit dieser Hängematte. Wunderbar entspannend. Wunderbar kuschelig.“

Er lachte und drückte ihr einen Kuss auf den Scheitel. „Willst du weiter kuscheln, oder wollen wir das Erdbeerbeet unsicher machen, und schauen ob wir dort was zum Snacken finden?“

Oh - Erdbeeren.

„So wie das duftet bin ich sicher, dass wir welche finden," antwortete sie.

„Das bin ich auch. Und ich habe heute früh Scones gebacken ... wie klingt das ?"

„Wie das Paradies.“ Sie stützte ihr Kinn auf seine Brust. „Nun läuft mir das Wasser im Mund zusammen, dabei war ich bis gerade wunschlos glücklich.“

Nate zupfte an ihrem Pferdeschwanz und grinste. „So, so. Wunschlos glücklich. Nun habe ich fast ein schlechtes Gewissen , daß ich Bedürfnisse in dir geweckt habe.“

Die Nachmittagssonne brannte auf das Erdbeerbeet, das beschaulich zwischen Rosenbüschen im hinteren Teil des Gartens, neben dem Schuppen, angelegt war. Die Kombination aus Rosen - und Erdbeerduft war betörend. Nate holte einen geflochtenen Holzkorb aus dem Schuppen, dessen quietschende Tür die immer neugierige Shoot anlockte. Der Hund setzte sich abwartend hin und blickte Adelie mit schiefgelegten Kopf und einem gespitzten Ohr an.

„Na, Süße? Willst du auch Erdbeeren pflücken?“ Adelie kraulte sie hinter dem Ohr. Nate klopfte derweil den Staub und die Blätter aus dem Korb. Zwischen den Reihen der Erdbeerpflanzen war gelbes Stroh ausgelegt, damit die reifen Früchte nicht auf dem matschigen Boden Opfer der Schnecken wurden. Es knisterte leise, wenn man darauf trat. Die Pflanzen hingen in der Tat voller reifer, roter, glänzender Erdbeeren. Adelie konnte nicht wiederstehen, eine zu essen. Sie war warm von der Sonne, saftig und wunderbar süß. „Das ist besser als Hängematte,“ sagte sie, und aß noch eine.

„Wenn du in dem Tempo weitermachst, haben wir keine für das Fruchtmus“ neckte Nate, auch wenn der Korb schon fast voll war. Sie streckte ihm die Zunge raus und dann erst recht noch eine in den Mund.

Schließlich hatten sie genug Früchte für Nates Mus-Pläne und liefen Hand in Hand zum Haus zurück. Wild Sage Acres lag beschaulich im Nachmittagssonnenschein und begrüßte sie mit angenehmer Kühle. Die Küche lag auf der Nordseite und so in einem schattigen Dämmerzustand, während draußen vor dem Fenster der Nachmittag im Sonnenschein gleiste. Nate wusch die Erdbeeren und schnippelte sie dann in kleine Stückchen.

Adelie setzte sich auf die Bank am Kachelofen und lehnte sich an die kühlen Fließen. Sie liebte es, ihm beim Kochen zuzuschauen und sich vielleicht den ein oder anderen Trick abzuschauen. Nate füllte die Erdbeerstückchen mit etwas Zucker in den Mixer und pürierte sie, bis daraus eine homogene Masse geworden war.

Dann deckten sie den Kaffeetisch draußen auf der Veranda mit dem schönen blaugeblümten Geschirr. In einem Körbchen saßen die frischen Scones in einem Nest aus weißer Serviette, in einem Schüsselchen daneben die Clotted Cream und in einem anderen das Erdbeermus. Auf einem Stövchen thronte die Kanne mit dem Tee. Nate hatte sogar eine Blüte der Kletterrose, die die Veranda umrankte, abgeschnitten und in eine Vase gesteckt, um das Bild abzurunden. Adelie lief das Wasser im Mund zusammen, als sie auf der Verandaschaukel Platz nahm.

„Bedien dich,“ sagte Nate mit einem einladenden Lächeln. „Vom Anschauen wird es nicht weniger.“

„Da hast du wohl recht, aber es sieht so wunderschön aus. Als käme es aus einem Magazin.“

„Danke, mein Schatz.“ Er lehnte sich herüber und küsste sie.

Eine Weile war jeder von ihnen damit beschäftigt, einfach nur zu essen. Snoot hatte mitbekommen, dass es offensichtlich Zeit für Leckereien war, und hatte sich zu ihnen auf die Veranda gelegt, im der niemals sterbenden Hoffnung, dass ein Krümel für sie abfallen möge. Jenseits der Verandabrüstung rankte die Rose und füllte die Sommerluft mit ihrem süßem Duft. Bienen umsummten sie und die üppigen Rabatten, die Bobs Gemüsegarten einfassten. Ansonsten war es still. Eddies Nachbarn waren nicht auf den Feldern beschäftigt, die er ihnen verpachtet hatte, Eddie und Bob waren in Meadow Junction unterwegs. Jenseits der großen Werkstattscheune konnte Adelie Pferde grasen sehen, ihre Schwänze rhythmisch schlagend die Fliegen verscheuchend.

Nates Scones waren wie immer ein lockeres Gedicht in Gebäckform, und zusammen mit der Clotted Cream und dem roten Mus der Erdbeeren unwiderstehlich lecker. Schlussendlich kratzte Adelie die letzen Reste Mus mit einem Eckchen Scones aus dem Schüsselchen.

„Babe, ich kann dir noch mehr machen, wenn du es so magst.“ Nate betrachtete ihre Bemühungen amüsiert und etwas gerührt.

Mit einem Seufzer stellte sie das Schälchen ab und lehnte sich in die Schaukel. „Danke, eigentlich bin ich pappsatt. Es schmeckte nur so unglaublich gut. Nach Sonne und Sommer und einem faulem Nachmittag mit dir.“

Er räumte das Geschirr zusammen. „Willst du zurück in die Hängematte, oder möchtest du etwas produktiveres tun?“

Ihr Blick fiel auf den Hund, der mit dem Kopf auf den Vorderpfoten sie nicht aus den Augen ließ. „Ich glaube, wir sollten uns etwas um Snoot kümmern, sie sieht etwas unterbeschäftigt aus, und du weißt, das bringt sie gerne auf dumme Ideen.“

Er nickte. „Im Interesse unserer Hausschuhe bin ich völlig deiner Meinung.“

Adelie klopfte auf ihre Schenkel. „Snoot. Wollen wir Ball spielen? Ja?“ Beim Wort Ball war Snoot schwanzwedelnd aufgesprungen. „Ja! Wo hast du ihn? Wo ist der Ball?“

Snoot hatte diverse Lagerstätten, in denen sie ihre Gummibälle hortete, und eine davon befand sich direkt unter der Küchenveranda. Dorthin eilte sie jetzt, um eifrig einen davon hervorzuholen und ihn dann vor Adelie hinzulegen. Sie setzte sich hin, legte den Kopf schief und spitzte ein Ohr.

„Braves Mädchen.“ Adelie hob den Ball auf und lief damit zum alten Obstgarten. Dort war genug Platz, Snoot rennen zu lassen. Der schwarze Hund hüpfte freudig um sie herum. „Ja, ja, ich beeile mich ja schon. Aber Nate kann den Ball viel weiter werfen als ich.“

Sie gab ihr bestes, und Snoot sauste wie ein geölter Blitz durch das Gras, um den Ball zu finden. Schließlich tauchte auch Nate auf, der mit der Küche fertig war, und warf ihn zu Snoots Begeisterung tatsächlich bis fast an das Ende des Gartens.

„Pass auf, dass du ihn nicht über die Mauer wirfst, sie würde sonst sicher dagegen rennen,“ warnte Adelie lachend, weil Snoot wirklich nur Augen für den Ball hatte. Liebevoll betrachtete sie ihren Freund, dessen Rugbytraining sich gerade ausbezahlte, und den Hund, der glücklich und begeistert war. Es war ein schönes Bild, wie er zwischen den Bäumen stand, Snoot sich hinsetzen ließ bevor er den Ball warf und ihr dann erst das Los! Zeichen gab. Snoot verzappelte fast vor Ungeduld, aber gehorchte.

„Und los!“ Snoot sprang davon und fand den Ball schnell, ließ sich dann aber von einem Mauseloch ablenken.

Adelie setzte sich wieder in die Hängematte und Nate kam dazu, während sie beide der Hündin beim Schnüffeln zusahen. Sie lehnte sich wieder an seine breite Schulter, und so schaukelten sie, warfen Snoot den Ball zu, die ihn zurückbrachte oder auch nicht, und plauderten, bis die Sonne tief am Himmel stand und es Zeit war, Abendbrot zu machen.

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