Scones und Erdbeeren

Eine leichte Brise raschelte durch die Blätter der Apfelbäume im Obstgarten. Weiße Watte-Wolken segelten über einen tiefblauen Himmel. In Richtung des Gemüsegartens standen die Sonnenblumen Spalier, ihre Köpfchen im Wind nickend. Der süße Duft von Erdbeeren hing in der Luft. Adelie drückte sich fester an Nates breite Brust, und genoss den stillen Moment. Es war Samstagnachmittag, und das einzige auf ihrer Agenda war, eben diesen zu verbummeln, nachdem sie den ganzen Vormittag fleißig über ihren Büchern gesessen hatten. Nate schubste mit dem Fuß die Hängematte wieder an, die zwischen den alten Apfelbäumen aufgespannt war. Langsam schwingend schaukelten sie. Er kraulte im gleichen Tempo ihren Nacken. Die ganze Hektik der vergangenen Woche tropfte von ihrer Seele, mit jedem Vorwärts und Rückwärts der Hängematte ein bisschen mehr.

„Danke,“ murmelte sie in den Stoff seines weichen T-shirts.

„Gerne, aber wofür?“, fragte Nate, und zog sie fester an sich.

„Oh, für alles, aber gerade besonders für deine Idee mit dieser Hängematte. Wunderbar entspannend. Wunderbar kuschelig.“

Er lachte und drückte ihr einen Kuss auf den Scheitel. „Willst du weiter kuscheln, oder wollen wir das Erdbeerbeet unsicher machen, und schauen ob wir dort was zum Snacken finden?“

Oh - Erdbeeren.

„So wie das duftet bin ich sicher, dass wir welche finden," antwortete sie.

„Das bin ich auch. Und ich habe heute früh Scones gebacken ... wie klingt das ?"

„Wie das Paradies.“ Sie stützte ihr Kinn auf seine Brust. „Nun läuft mir das Wasser im Mund zusammen, dabei war ich bis gerade wunschlos glücklich.“

Nate zupfte an ihrem Pferdeschwanz und grinste. „So, so. Wunschlos glücklich. Nun habe ich fast ein schlechtes Gewissen , daß ich Bedürfnisse in dir geweckt habe.“

Die Nachmittagssonne brannte auf das Erdbeerbeet, das beschaulich zwischen Rosenbüschen im hinteren Teil des Gartens, neben dem Schuppen, angelegt war. Die Kombination aus Rosen - und Erdbeerduft war betörend. Nate holte einen geflochtenen Holzkorb aus dem Schuppen, dessen quietschende Tür die immer neugierige Shoot anlockte. Der Hund setzte sich abwartend hin und blickte Adelie mit schiefgelegten Kopf und einem gespitzten Ohr an.

„Na, Süße? Willst du auch Erdbeeren pflücken?“ Adelie kraulte sie hinter dem Ohr. Nate klopfte derweil den Staub und die Blätter aus dem Korb. Zwischen den Reihen der Erdbeerpflanzen war gelbes Stroh ausgelegt, damit die reifen Früchte nicht auf dem matschigen Boden Opfer der Schnecken wurden. Es knisterte leise, wenn man darauf trat. Die Pflanzen hingen in der Tat voller reifer, roter, glänzender Erdbeeren. Adelie konnte nicht wiederstehen, eine zu essen. Sie war warm von der Sonne, saftig und wunderbar süß. „Das ist besser als Hängematte,“ sagte sie, und aß noch eine.

„Wenn du in dem Tempo weitermachst, haben wir keine für das Fruchtmus“ neckte Nate, auch wenn der Korb schon fast voll war. Sie streckte ihm die Zunge raus und dann erst recht noch eine in den Mund.

Schließlich hatten sie genug Früchte für Nates Mus-Pläne und liefen Hand in Hand zum Haus zurück. Wild Sage Acres lag beschaulich im Nachmittagssonnenschein und begrüßte sie mit angenehmer Kühle. Die Küche lag auf der Nordseite und so in einem schattigen Dämmerzustand, während draußen vor dem Fenster der Nachmittag im Sonnenschein gleiste. Nate wusch die Erdbeeren und schnippelte sie dann in kleine Stückchen.

Adelie setzte sich auf die Bank am Kachelofen und lehnte sich an die kühlen Fließen. Sie liebte es, ihm beim Kochen zuzuschauen und sich vielleicht den ein oder anderen Trick abzuschauen. Nate füllte die Erdbeerstückchen mit etwas Zucker in den Mixer und pürierte sie, bis daraus eine homogene Masse geworden war.

Dann deckten sie den Kaffeetisch draußen auf der Veranda mit dem schönen blaugeblümten Geschirr. In einem Körbchen saßen die frischen Scones in einem Nest aus weißer Serviette, in einem Schüsselchen daneben die Clotted Cream und in einem anderen das Erdbeermus. Auf einem Stövchen thronte die Kanne mit dem Tee. Nate hatte sogar eine Blüte der Kletterrose, die die Veranda umrankte, abgeschnitten und in eine Vase gesteckt, um das Bild abzurunden. Adelie lief das Wasser im Mund zusammen, als sie auf der Verandaschaukel Platz nahm.

„Bedien dich,“ sagte Nate mit einem einladenden Lächeln. „Vom Anschauen wird es nicht weniger.“

„Da hast du wohl recht, aber es sieht so wunderschön aus. Als käme es aus einem Magazin.“

„Danke, mein Schatz.“ Er lehnte sich herüber und küsste sie.

Eine Weile war jeder von ihnen damit beschäftigt, einfach nur zu essen. Snoot hatte mitbekommen, dass es offensichtlich Zeit für Leckereien war, und hatte sich zu ihnen auf die Veranda gelegt, im der niemals sterbenden Hoffnung, dass ein Krümel für sie abfallen möge. Jenseits der Verandabrüstung rankte die Rose und füllte die Sommerluft mit ihrem süßem Duft. Bienen umsummten sie und die üppigen Rabatten, die Bobs Gemüsegarten einfassten. Ansonsten war es still. Eddies Nachbarn waren nicht auf den Feldern beschäftigt, die er ihnen verpachtet hatte, Eddie und Bob waren in Meadow Junction unterwegs. Jenseits der großen Werkstattscheune konnte Adelie Pferde grasen sehen, ihre Schwänze rhythmisch schlagend die Fliegen verscheuchend.

Nates Scones waren wie immer ein lockeres Gedicht in Gebäckform, und zusammen mit der Clotted Cream und dem roten Mus der Erdbeeren unwiderstehlich lecker. Schlussendlich kratzte Adelie die letzen Reste Mus mit einem Eckchen Scones aus dem Schüsselchen.

„Babe, ich kann dir noch mehr machen, wenn du es so magst.“ Nate betrachtete ihre Bemühungen amüsiert und etwas gerührt.

Mit einem Seufzer stellte sie das Schälchen ab und lehnte sich in die Schaukel. „Danke, eigentlich bin ich pappsatt. Es schmeckte nur so unglaublich gut. Nach Sonne und Sommer und einem faulem Nachmittag mit dir.“

Er räumte das Geschirr zusammen. „Willst du zurück in die Hängematte, oder möchtest du etwas produktiveres tun?“

Ihr Blick fiel auf den Hund, der mit dem Kopf auf den Vorderpfoten sie nicht aus den Augen ließ. „Ich glaube, wir sollten uns etwas um Snoot kümmern, sie sieht etwas unterbeschäftigt aus, und du weißt, das bringt sie gerne auf dumme Ideen.“

Er nickte. „Im Interesse unserer Hausschuhe bin ich völlig deiner Meinung.“

Adelie klopfte auf ihre Schenkel. „Snoot. Wollen wir Ball spielen? Ja?“ Beim Wort Ball war Snoot schwanzwedelnd aufgesprungen. „Ja! Wo hast du ihn? Wo ist der Ball?“

Snoot hatte diverse Lagerstätten, in denen sie ihre Gummibälle hortete, und eine davon befand sich direkt unter der Küchenveranda. Dorthin eilte sie jetzt, um eifrig einen davon hervorzuholen und ihn dann vor Adelie hinzulegen. Sie setzte sich hin, legte den Kopf schief und spitzte ein Ohr.

„Braves Mädchen.“ Adelie hob den Ball auf und lief damit zum alten Obstgarten. Dort war genug Platz, Snoot rennen zu lassen. Der schwarze Hund hüpfte freudig um sie herum. „Ja, ja, ich beeile mich ja schon. Aber Nate kann den Ball viel weiter werfen als ich.“

Sie gab ihr bestes, und Snoot sauste wie ein geölter Blitz durch das Gras, um den Ball zu finden. Schließlich tauchte auch Nate auf, der mit der Küche fertig war, und warf ihn zu Snoots Begeisterung tatsächlich bis fast an das Ende des Gartens.

„Pass auf, dass du ihn nicht über die Mauer wirfst, sie würde sonst sicher dagegen rennen,“ warnte Adelie lachend, weil Snoot wirklich nur Augen für den Ball hatte. Liebevoll betrachtete sie ihren Freund, dessen Rugbytraining sich gerade ausbezahlte, und den Hund, der glücklich und begeistert war. Es war ein schönes Bild, wie er zwischen den Bäumen stand, Snoot sich hinsetzen ließ bevor er den Ball warf und ihr dann erst das Los! Zeichen gab. Snoot verzappelte fast vor Ungeduld, aber gehorchte.

„Und los!“ Snoot sprang davon und fand den Ball schnell, ließ sich dann aber von einem Mauseloch ablenken.

Adelie setzte sich wieder in die Hängematte und Nate kam dazu, während sie beide der Hündin beim Schnüffeln zusahen. Sie lehnte sich wieder an seine breite Schulter, und so schaukelten sie, warfen Snoot den Ball zu, die ihn zurückbrachte oder auch nicht, und plauderten, bis die Sonne tief am Himmel stand und es Zeit war, Abendbrot zu machen.

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