Depesche #20260425: Von Kochbüchern, Bibel-Studienkits und dem ultimativen Produktivitätshack
Wie man innerhalb von 3 Tagen ein 100 seitiges Kochbuch setzt, zu welchen Erkenntnissen Retail Therapy auf Amazon führen kann und wieso Study With Me Vlogs auf Youtube gerade mein Heiliger Gral sind.
Ready, Set - Kochbuch!
Mein Chef hatte Geburtstag. Einen großen, runden Geburtstag. Und die inoffizielle Firmentradition ist, dass er alle 10 Jahre ein Kochbuch mit den Lieblingsrezepten der Mitarbeiter bekommt - er kocht sehr gern und zudem ist es auch wirklich ein maximal individuelles Geschenk. Ich hatte nun schon zum zweiten Mal die Ehre, diese Sammlung an Rezepten in einem unmenschlich engen Zeitrahmen Realität werden zu lassen (drei Tage!), aber ich bin ja eine kleine Dampfmaschine und funktioniere sowieso am besten unter Druck. Ein Tag für die Covergestaltung, Titelfindung und Gedanken über das Innenleben, und dann 3 Tage durchpowern bis ich alle Rezepte drinnen hatte.
In solchen Momenten spiele ich gerne die Notion Karte, weil mir da mein übliches Notizbuch nicht weiterhilft, um den Überblick zu behalten. Ich habe erstmal alle Emails mit den Rezepten in einem extra Ordner in Outlook gesammelt (damit ich überhaupt wusste, wieviele Leute schon geantwortet haben), dann habe ich die eingegangenen Rezepte in Notion in einer Datenbank gesammelt und Tags vergeben, in welche Kategorie es gehört. Und dann natürlich auch den Status, ob es gesetzt ist oder nicht. So konnte ich mich dann, als es ans Eingemachte ging, Kapitelweise durcharbeiten, weil ich die Datenbank nach den Tags filtern konnte, und sich alles automatisch ausgeblendet hat, was fertig war. Hilft ungemein, keinen Herzinfarkt bei der schieren Menge an Rezepten zu kriegen - es waren 80.
Es war natürlich trotzdem eine Hauruck Aktion mit der mein innerer Perfektionist nicht glücklich war, aber es sah wohl dann doch so professionell aus, dass der Chef es erst für irgendein Kochbuch, nicht ein persönliches Kochbuch gehalten hat. Habe ich wohl meine Lektionen in der Buchgestaltung die ich privat gelernt habe, sinnvoll angewendet. Ich musste trotzdem innerlich schmunzeln, weil diese Turnaround Zeit war/ist schon absurd. In einem traditionellen Verlag hätte das ein Jahr gedauert, von Manuskript bis fertiges Buch.
Study with Me auch wenn ich schon lange keine Studentin mehr bin
Als neurodivergenter Mensch suche ich immer nach dem exakt richtigen Maß an unterschwelliger Stimulation, die mein Hirn bei der Stange hält, auch wenn wir so gleichförmige Dinge zu tun haben wie Rezepte in ein Kochbuch ziehen. Oder Herrin über die stetig wachsende Todo List für Himmelskratzer Publishing werden müssen. Meistens höre ich LoFi Chillhop, aber meine neueste Entdeckung sind Study with Me Vlogs auf Youtube. Ja, es gibt seltsame Dinge im Internet. Aber es ist sinnvoller als die, die im Namen des ASMR Zahnpastatuben ästhetisch ausdrücken.
Ich weiß nicht, was Student:innen und Schüler:innen dazu treibt, sich selbst beim Lernen zu filmen (und was bin ich wieder einmal froh, etwas studiert zu haben, wofür ich nicht stundenlang pauken musste), aber es ist die exakt richtige Geräuschkulisse, die mir ein Open Space Büro ersetzt, ohne dass ich mich gleichzeitig mit der Ablenkung beschäftigen muss, die andere Menschen für meine zu vielen Antennen eben nun mal sind. Tastaturklappern, Stifte kratzen… hilft irgendwie total.
Bibel-Studienkits für Frauen & Retail Therapy für gestresste Autorinnen
Nicht nur Social Media treibt manchmal merkwürdige Blüten - ich habe letzte Woche mir einen halben Schreibwarenladen auf Amazon gekauft (ich brauchte schöne Stifte und Notizbücher und überhaupt… ich bin Autorin, ohne das geht es nicht!) und bin dabei über eine Sache gestolpert, die ich höchst faszinierend fand: Textmarker/Sticky Notes Kits für das - wait for it - Bibelstudium! In sehr femininen Farben. Meine erste Reaktion war Unglauben, aber dann habe ich doch mal draufgeklickt, ich bin ja neugierig. Des Rätsels Lösung: Es gibt Textmarker, die drücken nicht durch - was nicht nur für Bibeln, sondern auch für Gesetzbücher (die andere Anwendung) durchaus spannend ist.
Ich studiere zwar weder Bibeln noch Gesetzbücher, aktuell nur etwas mit dem klangvollen Namen Internationales Katastrophenmanagement - Logistik und Supply Chain Management (20 Jahre alt, aber das einzig bezahlbare Buch das ich zu dem Thema finden konnte), aber hübsche, zartpinke und fliederfarbene Textmarker catchen mich halt auch. Wenn ich mich schon mit Dingen beschäftigen muss, die ich freiwillig wahrscheinlich nicht lesen würde (also, ich lese es freiwillig, weil ich eben will das Nate und Adelie realistische Probleme zu lösen haben, und die muss ich dafür halt kennen) hilft es, schöne Stifte und Textmarker zu haben. Offenbar habe ich auch meine Scheu überwunden, Bücher anzumalen, weil genau das tue ich gerade mit Gusto. Vielleicht ist das aber auch die Schuld der Study with Me Vlogs, in denen eben auch sehr ästhetisch in Texten rumgemalt wird.