Depesche #20260508: Vom Affen Gebissen - meine (unfreiwillige) Reise ins Selfpublishing

Das war alles nicht mein Plan, aber der eskalierte irgendwie verdammt schnell. Wie so viele wollte ich eigentlich nur Geschichten schreiben. Nicht mal unbedingt ganze Romane. Es fing harmlos im Jahre 2013 (oder so) mit kleinen Kurzgeschichten in meinem Blog an. Dann kam die Idee, was längeres zu schreiben und das Scheibchenweise im gleichen Blog zu veröffentlichen. Fast forward ins Jahr 2026, und hier liegen 4 Taschenbücher vor mir, ich habe einen Gewerbeschein und meinen eigenen kleinen Verlag. Irgendwo bin ich falsch abgebogen, aber wo?

Unschuldige Anfänge

Fun fact: Bis zum heutigen Tage habe ich nicht das Bedürfnis, meine Bücher in einem Buchladen stehen zu sehen. Ich wollte nie die Kontrolle über Adelie und Nate an einen Verlag verkaufen. Ich wollte einfach nur meine Geschichten mit anderen teilen, wie so viele andere auch. Und da ich ein Blog hatte, habe ich eben dieses genutzt, um erst kurze Geschichten und später das erste Buch dort im Serienformat zu veröffentlichen. Zu meinem großen Erstaunen hatte ich Leser:innen. Das Leben hatte aber andere Pläne inklusive einer Pandemie, und so verging zwischen Buch #1 (heute als Zarte Bande bekannt) und Buch #2 (Wettstreit der Herzen) ganze sieben Jahre. Meine Freund:innen bekamen es als PDF und mochten es trotz der langen Wartezeit.

Auf der Suche nach unbekannten Lesern

Ein Leserkreis von einer Handvoll Leuten hätte mir ja eigentlich gereicht, aber es kitzelte mich, herauszufinden, wie Adelie bei Menschen ankommt, die mich nicht persönlich kennen. Ich hatte kein Blog mehr, aber es gab ja diese Onlineplattformen, auf denen man kostenlos veröffentlichen konnte. Meine Wahl fiel auf Inkitt. Im Nachhinein weiß ich, dass diese Plattformen absolut nicht meiner Zielgruppe entsprechen, aber egal - ich fand trotzdem liebe und auch sehr treue Leser:innen. Und andere Autor:innen, die mir fatalerweise zeigten, wie schnell man seinen Bücher bei Amazon einstellen konnte. Amazon war und ist keine Option, aber ich fand Draft2digital, ein Distributor, der mir meine ebooks recht einfach in alle anderen großen Retailerplattformen stellte. Angstprobe Nummer 1: Das amerikanische Steuerformular, das ich dafür ausfüllen musste. Was gelang, und plötzlich war ich Selfpublisher. Von erstmal kostenlosen ebooks - zu dem Zeitpunkt war die Idee, Geld für meine Werke zu nehmen, noch eine sehr fremde, eine an die ich mich erst noch gewöhnen musste.

Vom Affen gebissen

Irgendwann im Verlauf von 2025 reifte die Erkenntnis, dass der deutsche Buchmarkt nicht mit dem amerikanischen (dem Mutterland der Selfpublishing Industrie) zu vergleichen ist. Ebooks sind hier bei weitem nicht so verbreitet wie dort. Hier wollen die Leser:innen noch “richtige” Bücher in der Hand halten. Bücher drucken ist eine deutlich größere Investition als ein ebook formatieren. Und die Marge ist lachhaft gering. Von einem 15€ Taschenbuch sehe ich vielleicht 2€. Aber ich hatte Leute vor mir stehen, die meine Bücher wirklich lesen wollten, nur partout nicht als ebook. Was also tun? Eine Kollegin empfahl mir eine Druckerei, die sich auf Kleinstauflagen spezialisiert hat und die nicht unsagbar teuer war. Ich machte einen Probedruck der Ramen Tagebücher - und unterschätzte absolut und katastrophal, wie es sich anfühlt, das eigene Buch in die Hand nehmen zu können und was es für Auswirkungen hat, Leuten dieses Buch unter die Nase zu halten. Die Zahl der Interessent:innen explodierte.

Der Wahnsinn nimmt seinen Lauf, oder: Die Entdeckung des Unternehmergeistes in mir

Am Anfang will niemand Unsummen in ein Projekt stecken, das sich eventuell nur als ein sehr (sehr!) teures Hobby entpuppen könnte. Ich beschloss trotzdem, etwas grenzwertig wahnsinniges zu tun und verschenkte die Ramen Tagebücher als Taschenbuch in einer einmaligen “Weihnachtsaktion” an neugierige Kolleg:innen und Familie. Drogendealer-Praxis: Erst anfixen, dann die Hand aufhalten für mehr Stoff. Der Plan scheint funktioniert zu haben, es wurde nach mehr verlangt.

Print on Demand erlaubt es, relativ risikofrei Bücher drucken zu können, ohne dass ich kistenweise selbige daheim herumstehen habe. Nichts desto trotz, die Marge die ich pro verkauftem Buch kriege, wenn jemand bestellt, ist lachhaft gering - und dem gegenüber stehen 39€ Einrichtungsgebühr, die Books on Demand pro Buch haben will. Also über Bücher allein lässt sich das nicht sinnvoll finanzieren, vor allem nicht, wenn ich nur eines im Jahr veröffentlichen kann. Jawohl, irgendwie hat sich der Schalter in meinem Kopf umgelegt von “Ich will doch einfach nur schreiben” zu “Wie verdiene ich (wenigstens ein bisschen) Geld damit?” - um dann gleich weiter zu “Wie kann ich es anders machen als alle anderen?” springen.

Das Kaufhaus Klaiber

Nach sehr viel internem Lamentieren biss ich im Herbst 2025 in den sauren (sehr sauer!) Apfel, beantragte einen Gewerbeschein und gründete Himmelskratzer Publishing. Ich schmiss mich naiv in das Abenteuer eCommerce und ich glaube, das ist wie Kinder kriegen: Zum Glück weiß man nicht, worauf man sich einlässt, sonst würde man es nicht tun. Ich dachte, der Fragebogen des Finanzamtes sei noch das Schlimmste, aber weit gefehlt. Plötzlich setzt man sich nicht mit Plotpoints und Charakterentwicklung auseinander, sondern mit Impressumspflichten, Datenschutzverordnungen, Widerrufsbelehrungen und Verpackungsverordnungen. Ich bin jetzt Mitglied bei der IHK und in einer Berufsgenossenschaft (auch wenn das erst wichtig wird, wenn ich jemals Mitarbeiter haben sollte). Ich habe eine Umsatzsteuer-ID. Ich kann ohne zu lügen, wenn mich jemand fragen sollte was ich mache, sagen, dass ich Geschäftsführerin meines eigenen Unternehmens bin. Und alles nur, weil ich meine Bücher mit deutlich mehr Leser-Experience in meinem eigenen Onlineshop verkaufen wollte. Das Kaufhaus Klaiber war geboren, denn natürlich nehme ich den Namen von Adelies Familie, die in den Büchern ein ganzes Handelsimperium führt, und nenne meinen Onlineshop nicht langweilig “Shop”.

Zu meinem Erstaunen macht mir das Unternehmerinnendasein aber sehr großen Spaß. Weil ich einfach so viel mehr Freiheiten habe, als mir der klassische Buchlanden online und offline je ermöglichen würde. Bei mir kriegt man nicht nur ein Buch. Das auch, aber eben mehr. Nur hier kann ich Lesezeichen mit dazulegen, die direkt aus dem Buch zu kommen scheinen. Und ich kann meine Bücherbundles vorbestellbar machen und genau nach Bedarf produzieren, was mir nachhaltiger erscheint, als alles was der Buchhandel so treibt. Ich musste mir eine Roadmap für die nächsten vier Jahre schreiben, weil ich so viele Ideen habe, was ich alles noch machen könnte, statt nur Bücher zu verkaufen. Jetzt hoffe ich nur, dass die Leute für die Büchern kommen und wegen des Universums bleiben, denn das kann man zukünftig eben auch Schritt für Schritt anfassen.

Ende Mai/Anfang Juni wird als erstes Heimkehr nach Greenvale Park als Taschenbuch erscheinen, zusammen mit exklusiven Goodies wie einer Einladung zu Isadoras Geburtstagsfeier als Lesezeichen und einem Sticker mit dem Wappen der Klaibers. Ich habe zwar noch keine Fotos von den Goodies, aber wer sich davon nicht abschrecken lässt und mir ein warmes Gefühl im Bauch machen will, kann hier schon vorbestellen. Oder ihr tragt euch in den Newsletter ein, um den Goodies Drop nicht zu verpassen.

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