Depesche #20260517: Nachhaltigkeit im Boutique PublIshing
Wer wusste, dass der Buchhandel jedes Jahr Tonnen an unverkauften Büchern vernichtet? Wenn man sich überlegt, was jedes Buch im Regal die Autor:in an Zeit und Nerven gekostet hat, ist die Vorstellung, dieses Buch in einem Reißwolf zu sehen, doppelt grausam. Und wenn man dann noch drüber nachdenkt, wieviele Bäume für diese Bücher ihr Leben gelassen haben, wieviel Strom und Wasser die Produktion gekostet hat… Solche Erkenntnisse lassen mich immer weniger mit dem Buchhandel zu tun haben wollen. Das muss doch auch anders gehen?
Ich mag autöricht in der Hinsicht sein, dass ich daran glaube, irgendwann mal mit Himmelskratzer Publishing zumindest auf eine schwarze Null rauszukommen. Wenn es allerdings darum geht, zu investieren, versuche ich absolut nicht töricht zu sein. Natürlich funktioniert es nicht, ohne Geld reinzustecken, von dem ich nicht weiß, ob ich es jemals wieder sehe. Wahrscheinlich nicht. Aber das heißt nicht, dass ich in einem Anfall von Größenwahn 500 Exemplare vom Inneren Kompass drucken lassen werde, nur weil es günstiger ist.
Der Digitaldruck hat die Druckbranche ziemlich revolutioniert - und vor allem hat er kleine Auflagen erschwinglich gemacht. Man muss nicht mehr die Offset Maschine anwerfen, die große Auflagen verlangt, damit sich der Aufwand lohnt. Man kann quasi heutzutage einzelne Bücher auf Bestellung drucken (das berühmte Print on Demand), und niemand muss mehr (auch die Verlage nicht) große Mengen vorrätig halten. Will ich sowieso nicht, aber ich kann auch gar nicht, mein Keller ist schon voll mit anderem Gedöns und Bücher werden nicht besser davon, dass sie kistenweise herumstehen.
Alles hat einen Preis
Drucken hat aber trotzdem einen Preis. Papier, Wasser, Tinte, Versand… alles kostet Ressourcen. Kostbare Ressourcen die ich nicht verschwenden will. Dann steht aber noch eine andere Ressource in dieser Gleichung: Ich selbst. Meine Zeit und Energie. Bücher verpacken und versenden kostet auch Zeit, und auch wenn die gerade eine sehr überschaubare Investition sein mag, es kann ja gut sein, dass ich irgendwann mal wirklich regelmäßig Bestellungen bekomme. Wie kann ich also all das so kalkulierbar machen dass niemand drauf zahlt - ich nicht und die Umwelt auch nicht?
Dadurch, dass meine Bücher zu jeder Tages- und Nachtzeit bei Books on Demand bestellbar sein werden, muss ich mich eigentlich nicht stressen. Wer das Buch sofort will, kriegt es auch, und ich muss nichts dafür tun. Für all jene, die aber die besondere Himmelskratzer Experience mit extra Beilagen, signiertem Buch und liebevoller Verpackung wollen, die müssen eben etwas Geduld mitbringen, weil ich vielleicht nur zweimal im Jahr den Shop dafür öffne, Vorbestellungen sammeln und dann eine große Kiste Bücher bestelle werde, die dann mit Schleifchen verziert an besondere Menschen versendet werden. Ich produziere kein teures Altpapier, weil nicht mehr produziert wird als gebraucht, ich investiere keine Unsummen und kann außerdem besser abschätzen, wieviele Pakete ich packen muss.
Nachhaltigkeit anderswo
Es gibt einen Fakt, den viele sehr erfolgreiche selbstpublizierende Autoren gerne verschweigen: Dass sie fast genauso viel in Werbung stecken wie sie über ihre Bücher einnehmen. Ich weiß nicht, ob es so nachhaltig ist, permanent Geld in Facebook, Instagram, Google und Amazon Ads zu pumpen, nur um sichtbar zu bleiben. Es scheint für sie zu funktionieren, aber ich habe für mich erstmal beschlossen, lieber in Dinge Zeit zu investieren, die langfristig Sichtbarkeit bedeuten: Search Engine Optimisation und mittlerweile auch AI Optimisation. Je maschinenlesbarer meine Webseite, desto besser können die Suchmaschinen sie verarbeiten und dementsprechend vorschlagen.
Ich habe lange darüber nachgedacht, was ich eigentlich erreichen will. Und festgestellt, dass es mir sehr wichtig ist, die Namen meiner Leser:innen zu kennen. Um eine große Masse an gesichtlosen Menschen zu erreichen, müsste ich die oben genannte Marketingmaschine anwerfen, aber ist Mehr, Mehr, Mehr wirklich immer der einzige Weg? Ich möchte nicht irgendwann so viele Bücher verkaufen, dass ich den Versand an einen Fulfiller auslagern müsste. Reicht es nicht, gerade so groß zu werden, wie man es alleine noch stemmen kann, Spass an der Sache hat und vielleicht einen kleinen Profit mitnehmen kann?