Depesche 20260809: Ein Ziel ohne Plan ist nur ein Wunsch

Mein Tag offenbar 48 Stunden. Zumindest glauben das ein paar Leute, weil ich jetzt schon mehrmals gefragt wurde, wie ich das eigentlich alles schaffe. Für sie ist die Vorstellung, ein ganzes Buch zu schreiben, schon ungeheuerlich, und ich habe das schon fünfmal gemacht. Und ich es ist ja nicht nur das Schreiben und Überarbeiten. Ich bin, weil ich ein bockiger Mensch bin, der gerne die Kontrolle hat, außerdem: Der Art Director, der Cover Designer, der Produktfotograf, der Set Stylist, der Projekt Manager, das Marketing, die Buchhaltung, das Order Management, der Social Media Manager und der Merch Designer. Und ich mach das alles nebenher und kriege trotzdem meine 7,5h Schlaf jede Nacht.

Das Geheimnis ist nicht, dass mein Tag mehr Stunden hat. Der Trick ist eine verdammt gute Planung und rigoroses Zeitmanagement. Es hilft außerdem ungemein keine Kinder, Haustiere, Garten oder Freunde und Familie zu haben, die exorbitant viel Zeit beanspruchen. Ich habe Freunde und Familie, aber die wenigsten davon leben in meiner Nähe. Ich sage sehr oft Nein zu Dingen, weil ich stattdessen mich lieber meinen Geschichten widme. Aber ein paar Prinzipien gibt es dann doch, die mir helfen, alles unter einen Hut zu kriegen.

Der größte Zeitfaktor

Den größten Impact auf meine Zeit hatte tatsächlich der Entschluss, mich von Social Media weitestgehend zurückzuziehen. Es ist unglaublich, wieviel Zeit dafür drauf geht. Und wieviele Ideen auf einmal wieder in meinem Kopf sprießen, seitdem ich nicht ständig die Meinungen anderer konsumiere. 10 out of 10, do recommend. Auch wenn du keine Bücher schreiben willst.

Urlaubszeit ist Schreibzeit

Ich plane mittlerweile so, dass ich hauptsächlich im Urlaub und am Wochenende schreibe. Aber Urlaub ist mir lieber, da ich da über mehrere Tage hinweg in die Geschichte versinken kann, was gerade beim ersten Entwurf sehr viel besser ist, als wenn ich mich ständig neu hineindenken muss, weil die Arbeitswoche dazwischen gefunkt hat. Wenn ich einmal den Rohbau stehen habe, dann ist es sehr viel einfacher. Dazu hilft es, eine stabile Outline zu haben, damit man wirklich nur noch schreibt und nicht zwischendrin noch überlegen muss, was als nächstes passiert, und alle großen Weltenbaufragen vorher geklärt zu haben. Ich weiß, wieviel Worte ich in etwa pro Stunde schreiben kann. Dank der Outline weiß ich wieviele Szenen mein Buch hat, und kann damit grob ausrechnen wie lange ich für den ersten Entwurf brauchen werde, wieviel Zeit ich mir also dafür freihalten muss. Den größten Teil des Inneren Kompass habe ich innerhalb von 2 Wochen geschrieben.

Ein Ziel ohne Plan ist nur ein Wunsch

Das da oben ist mein Business Buch. Ich hatte vorher ein Notizheft, das den gleichen Zweck erfüllt hat, aber es war Zeit für ein Upgrade. Man kann noch so viele Ideen und Ziele haben, wenn man keine Struktur hat, sie auch umzusetzen, wird daraus nichts. Am liebsten würde ich natürlich alle meine Ideen sofort und auf der Stelle umsetzen, aber dann würden auch 48 Stunden Tage nicht ausreichen, also muss ich es einteilen - und dabei das echte Leben nicht aus den Augen verlieren. Ich habe nicht nur die nächsten 8 Monate im Auge, sondern einen Plan bis 2029, der mir sagt, wann ich welches Buch schreiben will (auch wenn sich das immer mal wieder ändern kann, wenn die Muse mich zu doll küsst) und welches shiny Merch ich wann realisieren möchte. Da sehe ich schnell, wenn ich mal wieder zu viel auf einmal will und umdisponieren muss.

Schlafen, Essen, Trinken, Bewegen

Ich habe einen Schreibtischjob und ein Schreibtischhobby. Seine gesamte Lebenszeit nur am sitzend vor einem Monitor zu verbringen, ist nicht gesund. Weder für den Körper, noch für den Kopf. Ich bin auch kein Anhänger der Hustle Culture, die Schlaf eher als optional ansieht. Ein ausgebrannter Körper ist nicht kreativ. Und ich will noch lange Bücher schreiben können, ergo achte ich darauf, dass mein Körper den Schlaf kriegt, den er braucht, ich genug trinke und esse (mit leerem Tank kommt man nicht weit) und dass ich täglich mein Bewegungsziel erreiche. Nur so habe ich die Energie, Brotjob und Herzensprojekt unter einen Hut zu kriegen, ohne direkt in den Burnout zu steuern.

Ich bin wirklich wirklich gerne alleine

Was während der Corona-Pandemie für die allermeisten Menschen der absolute Albtraum war, ist für mich der happy place: Alleine zuhause. Ich habe schlicht kein Bedürfnis, ständig Dinge erleben zu müssen. Ja, ab und an muss auch ich mal was neues sehen, aber sicher nicht jedes Wochenende. Ich bin mein eigenes Unterhaltungsprogramm.

Also - mein Tag hat keine 48 Stunden, ich bin auch nur ein Mensch und ich kriege ganz sicher nicht alles hin, was ich mir vornehme. Es mag nach außen vielleicht nur so aussehen.

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